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SIGHTING III

SIGHTING III is a walkable steel-sculpture by Hildegard Rasthofer and Christian Neumaier. From October 2019 to August 2020, it was presented on its third location: the sculpture garden of the mSE Kunsthalle.

 

THE ARTWORK

70 tons of steel

Die SICHTUNG besteht aus Stahlkuben mit einer Seitenlänge von 2,4 m und einem Stahlkranz an der Spitze. In der Unterammergauer Aufstellung kam sie auf eine Höhe von 32,4 m. The cubes are put on top of each other via crane and then screwed together. The sculpture can be assembled and disassembled within a few hours. It is conceived as a mobile installation. In any event, the sculpture is also a remarkable technical achievement.  

Spatial and sound sculpture

Moving inside the artwork, the visitor experiences the surrounding space in a different and thrilling way: vertically he or she may explore the sculpture's volume and the space and landscape around it. The wind, the sounds of the environment, the visitor's own steps and breath, together, create a unique richness of sound. 

 

Materiality

The construction steel has a changeable, multifaceted surface: blank, injured, patinated, different stages of corrosion. Light, wether, and the point of view of the spectator alter the colors of the material, ever changing between silver, grey, blue, green, red, orange, brown, and black. 

 

The Artists

Hildegard Rasthofer, architect and artist, was born in 1968 in Wartenberg. She studied architecture at the TU Munich. Christian Neumaier, born 1965 in Haag, is a metal sulptor and maste blacksmith. As an artist, he coöperates with Hildegard Rasthofer in the interdisciplinary field of experimental architecture and sculptural creation.

>>Every visitor leaves by means of movement a specific pattern of sound in the sculpture -- a trace of sound.<<
(Hildegard Rasthofer, Christian Neumaier)

The Location

>>The sculpture moves to places where an exciting interaction with the environment happens.<<
(Hildegard Rasthofer, Christian Neumaier)

Land art

On its different locations, the sculpture enters into a dialogue with the surrounding landscape. The deep windows and the sculptures top allow for fresh frames and points of view. In turn, seen from below, the sculpture may appear as a mark in the landscape. Therefore, it has an index. In Unterammergau, on its third location, it has the index III.

 

Mark

Am ersten Standort in Reithofen hatte die Skulptur in der Kiesebene den Kontrast von Vertikale und Horizontale markiert. Am zweiten Standort im Münchner Kreativquartier wurde sie zur Markierung der stadtbaulichen Entwicklung. Im Skulpturengarten der mSE Kunsthalle stand die SICHTUNG  über dem Pulvermoos zwischen Unterammergau und Oberammergau. Die Hänge der umgebenden Berge überragten den schlanken Quader, was die Weite und die sachten Wölbungen des Tals betonte. Von den Gipfeln aus gesehen, verschwand die SICHTUNG in den Tiefen des Tals, von Oberammergau gesehen wirkte sie oft wie ein schmaler Strich vor der lichten Abendstimmung. 

 

Perspectives

In ever new frames, the sculptures grants a view of the mSE Kunsthalle, of Unterammergau, the beginning of the trail Altherrenweg, the mountains Laber, Kofel, and Hörnle, Oberammergau: villages, forests, meadows and marchland. The soft sway of resounding steps and the heat of the metal in the sun (even on winterdays) are part of the view of the valley who's changing expressions throughout the day and throughout the year are beautifully unlocked by the artwork. 

 

Voices and Impressions (German language)

>>Ich denke, „Sichtung“ ist, seinem Titel gemäß, ein wunderbarer Point de Vue. Und das in reziprokem Sinn: es ist ein Objekt zum Sehen und zum gesehen Werden. Es bereichert in doppeltem Sinn die Landschaft.<<

(Prof. Dr. Rainer Metzger, Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe)

>>Bildwerke in die Landschaft zu stellen, sie in der Natur wirken zu lassen, ist seit der Antike eine große Aufgabe der Kunst. Die umgebende Natur kann das Bildwerk in seiner Wirkung steigern, andererseits verweist das in der Landschaft aufgestellte menschliche Werk, von wem es auch gemacht sein mag, immer auf die Einzigartigkeit und Größe der Natur. In den Landschaftsgärten der Barockzeit, wie z. B. der Garten der Villa d´Este in Tivoli, wurde dieses Thema zur hohen Perfektion gebracht: Häufiger Wechsel von Licht und Schatten, überraschende Ausblicke in die Ferne und oft der Klang von plätscherndem Wasser sollen die Sinne des Gartenbesuchers reizen.

Die Raum- und Klangskulptur SICHTUNG intendiert Ähnliches und erreicht es mit heutigen, unserer Zeit gemäßen Mitteln. Der elegant proportionierte (Grundriss 2,4 x 2,4m), über 32 Meter hohe und aus 13 übereinander positionierten Kuben bestehende Stahlturm führt den Blick des von außen Betrachtenden automatisch nach oben. Im Turm führt eine enge Wendeltreppe zu dem bekrönenden Aussichtspodest.

Naturgemäß blickt man nach unten, konzentriert sich auf die Stufen, wenn man eine Wendeltreppe hinaufschreitet. Doch in diesem Turm ist es anders: Nach wenigen Schritten öffnet sich ein 48 cm breiter – entsprechend dem Treppenverlauf – von Decke bis zum Boden reichender Einschnitt: Er lässt Licht einfallen und lenkt vor allem den Blick nach außen. Da in jedem Kubus zwei diagonal sich gegenüberliegende Einschnitte sind, blickt man beim Hinaufschreiten wie auch beim Heruntergehen der über 150 Treppen 26 mal in eine andere Richtung der Landschaft, bzw. aus anderer Höhe in die Landschaft. Der ständige Wechsel des Blickwinkels auf eine jeweils nur ausschnitthaft zu sehende Umgebung steigert die Intensität der Wahrnehmung. Da die Metallstufen unter dem Schritt des Einzelnen leicht schwingen und vor allem klingen wird der Turm zum Resonanzkörper der eigenen Bewegungen bzw. all derer, die sich in ihm bewegen.

Ein Bildwerk in der Landschaft, das die menschlichen Sinne stimuliert.<<

(Prof. Dr. Raimund Wünsche, Ehem. Direktor der Glyptothek und der Staatlichen Antikensammlungen in München)

>>Es ist, als ob man auf einer Landkarte dezent einen Ort festhalten wollte. Aus der Ferne ist SICHTUNG III weniger Signatur als Markierung, ein Strich in der Landschaft nachgerade. Vor Ort wird SICHTUNG III zu einer körperlichen Erfahrung. Der Blick gleitet an den Außenwänden direkt gegen den Himmel, hat man sich die Skulptur schließlich körperlich erarbeitet und ist durch das Innere erst nach oben gelangt, darf man sich mitten drin und obenauf fühlen, welch Überblick auf das Terrain, welch Aussicht auf die Landschaft!…<<

(Daniela Gregori, Kunsthistorikerin, Kuratorin)

Die Debatte

Die SICHTUNG III wurde in Unterammergau zum Gegenstand einer lokalen und regionalen Debatte. Im Oktober als fliegender Bau vorläufig errichtet, erfreute sich die SICHTUNG bei den Besucherinnen und Besuchern und Teilen der Dorfgemeinschaft einer so großen Beliebtheit, dass sich Christian Zott um eine Genehmigung zum Verbleib der Skulptur bemühte. Die SICHTUNG sollte entsprechend der Intention der Künstler ihren Heimatstandort im Skulpturengarten haben und von dort temporär an andere Orte entsandt werden.

 Das Werk wurde in Unterammergau, unter den Bürgern wie den Gemeinderäten, kontrovers diskutiert, bald auch in der Region und in überregionalen Medien. Die Debatte ging über bloß ästhetische Fragen hinaus. Daraufhin initiierte Christian Zott ein Bürgerbegehren zum dauerhaften Verbleib des Kunstwerks im Skulpturengarten. Wichtig war, dass die Entscheidung von den Bürgerinnen und Bürgern getroffen werde sollte, also weder durch Formalpositionen von Ämtern noch durch Gerichte. Das Bürgerbegehren erreichte in kürzester Zeit das nötige Quorum. Die Regierung von Oberbayern äußerte im Juni 2020 formelle Bedenken zur konkreten Formulierung der Fragestellung. Auch wenn diese Rechtsauffassung aufgrund der juristischen Prüfung von Christian Zott nicht geteilt wurde, zog er in Abstimmung mit Gemeinde und Landratsamt den Antrag zurück. Dafür sprachen drei Gründe: 

 (1) Nach Einreichung des Bürgerbegehrens hatte der Gemeinderat im Mai eine Abstimmung über den Antrag zur Änderung des Bebauungsplans durchgeführt und diesen mehrheitlich abgelehnt. Das Bürgerbegehren wäre – gleich welchen Ausgangs – schädlich für die sich gegenüberstehenden Meinungsvertreter gewesen. (2) Die formellen Bedenken der Regierung von Oberbayern hätten bei einer Neufassung des Antrags ausgeräumt werden können. Auch wäre eine gerichtliche Klärung möglich gewesen. Beide Erwiderungen hätten jedoch als langwierige Auseinandersetzungen weiteren Unfrieden im Ort erzeugt. (3) Der Aufwand und die bevorstehenden Kosten für die Gemeinde wären dadurch immer höher geworden und nicht gerechtfertigt gewesen. Schließlich gehe es, so Zott, um ein Kunstwerk, das auch anderswo stehen könne. Wiewohl Kunst stets zum Nachdenken und zur Diskussion anregen solle, möchte er ausschließen, dass die Gemeinde durch die Auseinandersetzung um das Werk gespalten wird oder sonstigen Schaden nimmt.

 Die öffentliche Debatte um die „Sichtung III“ hatte zu einem überregionalen Medienecho geführt und Vertreter des Kultur- und Museumsbetriebs auf das Kunstwerk aufmerksam gemacht. Der mSE Kunsthalle liegen derzeit drei konkrete Anfragen aus Deutschland und der Schweiz vor, die eine temporäre Errichtung der Skulptur an anderen Orten betreffen. Augenblicks wird mit den Gemeindevertretern und dem Landratsamt konstruktiv diskutiert, ob die SICHTUNG von einer solchen Reise als Fliegender Bau temporär wieder zurückkehren kann.